EPUB-Dokumente auf Barrierefreiheit überprüfen

BITV/WCAG-Prüfung von EPUB-Dokumenten

Die Prüfung von EPUB-Dokumenten hinsichtlich der Barrierefreiheit erfolgt grundsätzlich nach den WCAG 2.1/2.2-Kriterien, da EPUB auf HTML basiert. Die BITV verweist direkt auf die WCAG. Unterschiede ergeben sich durch EPUB-spezifische Anforderungen und die Unterstützung durch Lese-Software.

Besonderheiten gegenüber einer Standard-WCAG-Prüfung

  • Struktur und Navigation: EPUB bietet zusätzliche Navigationsmechanismen wie Inhaltsverzeichnisse und semantische Sprungmarken, die geprüft werden müssen.
  • Reflow und Anpassbarkeit: EPUB erlaubt es Nutzer*innen, Schriftgrößen, Kontraste und Layouts anzupassen. Diese Funktionen müssen korrekt umgesetzt sein.
  • Medienübergreifende Inhalte: EPUB unterstützt eingebettete Medien und interaktive Elemente. Barrierefreiheit erfordert hier eine korrekte Umsetzung von Alternativtexten, Transkriptionen und Audiodeskriptionen.

Problem: Aktuelle Lese-Tools sind nicht ausreichend nutzbar

Trotz technischer Fortschritte gibt es erhebliche Probleme mit der Barrierefreiheit von EPUB-Readern:

  • Mangelnde Unterstützung durch Screenreader: Viele EPUB-Reader (z. B. Apple Books, Adobe Digital Editions) setzen Barrierefreiheit nur unvollständig um. Navigation, Vorlesen und Strukturzugriff funktionieren oft nicht zuverlässig.
  • Fehlende Unterstützung für erweiterte EPUB-3-Features: Funktionen wie MathML für mathematische Inhalte, Medienüberlagerungen (Media Overlays) oder semantische Strukturen werden von vielen Readern nicht richtig interpretiert.
  •  Inkompatible Formate: Viele Verlage liefern EPUB-Dateien, die nicht korrekt getaggt sind oder proprietäre DRM-Systeme nutzen, die Barrierefreiheit einschränken.

Um EPUB wirklich barrierefrei zu machen, braucht es:

  • Bessere Unterstützung für EPUB 3.3 in gängigen Readern.
  • Eine stärkere Verbreitung von barrierefreien EPUB-Standards bei Verlagen.
  • EPUB-Reader mit vollständiger Screenreader-Unterstützung und anpassbaren Leseeinstellungen.

Die Barrierefreiheit von EPUB-Dokumenten ist entscheidend, um allen Nutzern, einschließlich Menschen mit Behinderungen, den Zugang zu digitalen Inhalten zu ermöglichen. Obwohl das EPUB-Format grundsätzlich viele Vorteile für die Barrierefreiheit bietet, gibt es immer noch Herausforderungen bei der Nutzung von Lese-Tools.

Aktuelle Herausforderungen bei Lese-Tools für EPUB-Dokumente:

  • Uneinheitliche Unterstützung von Barrierefreiheitsfunktionen: Nicht alle EPUB-Leseanwendungen unterstützen Barrierefreiheitsfunktionen wie Text-zu-Sprache, Anpassung der Schriftgröße oder die Navigation mittels Überschriftenstruktur vollständig.
  • Fehlende Standardisierung: Es gibt Unterschiede in der Implementierung von Barrierefreiheitsfunktionen zwischen verschiedenen Lese-Tools, was zu Inkonsistenzen in der Nutzererfahrung führt.
  • Mangelnde Sensibilisierung und Schulung: Sowohl Entwickler von Lese-Tools als auch Inhaltsanbieter sind sich oft nicht der Bedeutung und der Methoden zur Implementierung von Barrierefreiheit bewusst.

Tools zum Testen der Barrierefreiheit von EPUB-Dokumenten:

  1. Ace by DAISY Consortium: Ein Open-Source-Tool, das EPUB-Dateien auf Barrierefreiheitsprobleme überprüft und detaillierte Berichte bereitstellt.
  2. EPUBCheck: Ein Validator, der EPUB-Dateien auf Konformität mit dem EPUB-Standard prüft und dabei auch einige Aspekte der Barrierefreiheit berücksichtigt.
  3. Accessibility Checker by EPUBTest: Ein Online-Tool, das die Barrierefreiheit von EPUB-Dateien anhand verschiedener Kriterien bewertet.

Diese Tools unterstützen Entwickler und Verlage dabei, die Barrierefreiheit ihrer EPUB-Dokumente zu bewerten und zu verbessern. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass automatisierte Tests manuelle Prüfungen nicht vollständig ersetzen können. Eine umfassende Barrierefreiheitsprüfung sollte immer sowohl automatisierte als auch manuelle Methoden umfassen.

Durch die Verwendung dieser Test-Tools und die Beachtung der genannten Herausforderungen können Sie die Barrierefreiheit Ihrer EPUB-Dokumente verbessern und somit eine inklusivere Leseerfahrung für alle Nutzer gewährleisten.

Nach oben scrollen