Barrierefreie Dokumente

Digitale Informationen sind heute die Grundlage von Bildung, Forschung und Zusammenarbeit. Doch nicht jeder hat gleichermaßen Zugang zu diesen Inhalten. Barrierefreie Dokumente stellen sicher, dass Menschen mit Behinderungen – insbesondere mit Sehbehinderung oder Blindheit – Dokumente genauso effizient nutzen können wie alle anderen. Dies ist nicht nur eine Frage der Chancengleichheit, sondern auch ein gesetzlich verankertes Recht (z.B. BITV 2.0, Barrierefreiheitsstärkungsgesetz).

Barrierefreie Dokumente sind also speziell aufbereitete digitale Materialien, die Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen den uneingeschränkten Zugang zu Informationen ermöglichen. Sie sind so gestaltet, dass sie mit assistiven Technologien wie Screenreadern, Braillezeilen und Vergrößerungssoftware kompatibel sind. Dazu zählen unter anderem gut strukturierte Inhalte, semantische Auszeichnungen, klare Navigationshilfen und alternative Textbeschreibungen für visuelle Elemente. Das Ziel ist, dass alle Nutzenden, unabhängig von ihrer sensorischen, motorischen oder kognitiven Wahrnehmung, Informationen gleichberechtigt erfassen können.


PDF (PDF/UA-1 und PDF/UA-2)

Barrierefreie PDFs nach dem PDF/UA-Standard (Universal Accessibility) sind speziell auf die Anforderungen barrierefreier Nutzung zugeschnitten. PDF/UA-1 und PDF/UA-2 legen fest, wie Dokumente strukturiert und ausgezeichnet sein müssen, um von Screenreadern korrekt interpretiert zu werden. Dazu gehören beispielsweise Überschriften, Listen, Tabellen, alternative Bildbeschreibungen und eine klare Dokumentenstruktur. Da PDFs oft zum Standard in Bildung und Verwaltung gehören, ist die Umsetzung dieser Standards essenziell, um barrierefreien Zugang sicherzustellen.


EPUB

EPUB ist ein offener E-Book-Standard, der sich gut für barrierefreie Dokumente eignet, da er reflow-fähig ist und somit flexibel an verschiedene Endgeräte angepasst werden kann. EPUB ermöglicht die Anpassung der Schriftgröße und Farben und ist kompatibel mit Screenreadern. Diese Eigenschaften machen EPUB besonders vorteilhaft für Literatur- und Lehrmaterialien, die von Nutzenden mit Seheinschränkungen gelesen werden.

Weitere Informationen unter EPUB 3.


Word und E-Buch-Standard der Medienzentren

Microsoft Word kann durch semantische Strukturierung und durch den Einsatz von Formatvorlagen ebenfalls barrierefrei gestaltet werden. Die Medienzentren der Schulen nutzen oft Word-Dokumente als Ausgangsformat für barrierefreie Lehrmaterialien, da diese flexibel und in andere Formate konvertierbar sind. Die Word-Dokumente werden hierfür von den Medienzentren der Schulen durch Auszeichnungen nachdem E-Buch-Standard (Link zu Augenbit) angereichert, um gezielt ergänzende Informationen zu ergänzen. Am KIT wird ein besonderer Wert auf hohe Qualitätsstandards gelegt, um sicherzustellen, dass alle für das Studium benötigten Materialien in barrierefreien Formaten verfügbar sind.


HTML, Markdown und Co.

HTML ist ideal für barrierefreie Dokumente, da es von Natur aus strukturiert und gut durch assistive Technologien lesbar ist. HTML-Dokumente lassen sich leicht skalieren und passen sich an unterschiedliche Bildschirmgrößen und -auflösungen an. Auch Markdown kann eine nützliche Rolle spielen, vor allem im akademischen Bereich, da es eine einfache Syntax für strukturiertes Schreiben bietet. Allerdings eignet sich Markdown weniger für komplexe Strukturen wie Tabellen oder Formeln und ist daher für umfassende barrierefreie Dokumente oft ungeeignet. Beide haben außerdem den Nachteil, dass es sich nicht um sogenannte Container-Formate handelt, d.h. Bilder und Ergänzungen sind nicht im Hauptdokument enthalten und können bei der Weitergabe vergessen werden.


Warum barrierefreie Dokumente wichtig sind

Pro:

  • Inklusion: Alle Personen erhalten Zugang zu wichtigen Informationen – ob im Studium, Beruf oder Alltag.
  • Rechtssicherheit: Gesetzliche Anforderungen werden erfüllt.
  • Maschinenlesbarkeit: Dokumente sind nicht nur für Menschen zugänglich, sondern auch für Suchmaschinen und KI-Tools effizienter nutzbar.
  • Nachhaltigkeit: Barrierefrei gestaltete Materialien sind zukunftssicher, unabhängig von spezifischen Technologien.

Contra:

  • Aufwand: Die Erstellung barrierefreier Dokumente erfordert Kenntnisse und zusätzliche Arbeitsschritte.
  • Komplexität: Besonders in MINT-Fächern mit Formeln, Grafiken und Tabellen ist die Umsetzung herausfordernd.
  • Technische Grenzen: Nicht alle Tools unterstützen die Erstellung vollständig barrierefreier Inhalte.

Worst Case: Wenn Dokumente nicht barrierefrei sind

Ein Studierender mit Sehbehinderung erhält die Folien einer Vorlesung:

  • Der Text ist als Bild eingescannt – ein Screenreader kann ihn nicht vorlesen.
  • Formeln sind nicht zugänglich, da sie als Bilder eingefügt wurden.
  • Grafiken und Diagramme enthalten keine Alternativtexte oder Beschreibungen.

Das Ergebnis? Der Studierende hat keinen Zugriff auf die Inhalte und kann der Vorlesung nicht folgen. Sein Studium wird unnötig erschwert oder gar behindert.

Best Practice: Barrierefreie Dokumente in der Praxis

Eine Dozentin bereitet ihre Vorlesungsunterlagen barrierefrei auf:

  • Der Text ist in strukturiertem Word oder LaTeX erstellt und mit Überschriften formatiert.
  • Formeln sind mit einem zugänglichen Format wie LaTeX-Code oder MathML versehen.
  • Grafiken und Diagramme enthalten aussagekräftige Alternativtexte.
  • Die Datei wird als PDF/UA exportiert, sodass Screenreader sie korrekt interpretieren können.
  • Der Studierende kann problemlos auf die Inhalte zugreifen und sich auf den Lernstoff konzentrieren.

Fazit

Barrierefreie Dokumente sind ein wichtiger Schritt zu gleichberechtigter Bildung. Hier erfahren Sie, welche Formate, Tools und Prozesse helfen, Lehr- und Lernmaterialien für alle zugänglich zu gestalten – rechtssicher, praxisnah und zukunftsorientiert.

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